Die digitale Transformation gleicht einer Seereise: neue Routen, unbekannte Gewässer, Chancen – aber auch Strömungen, die man besser nicht unterschätzt. Besonders dann, wenn Unternehmen die vertraute On-Premise-Küste verlassen und in die SAP-Cloudwelt aufbrechen.
Dabei stehen zwei Schiffstypen zur Auswahl: SAP Cloud ERP (Public) und SAP Cloud ERP Private.
Beide versprechen Rückenwind. Doch die SAP Cloud ERP Private ist kein wendiges Schnellboot – sondern eher ein mächtiger Frachter: kraftvoll, flexibel, aber anspruchsvoll im Manövrieren.
⚓ 1. Systemarchitektur & Projektsetup: Der Maschinenraum wird größer
SAP Cloud ERP:
- Standardisierte Prozesse
- Vordefinierter Projektansatz (SAP Activate)
- Schnellere Time-to-Value
SAP Cloud ERP Private:
- Eigenverantwortung für Infrastruktur, Tenant Lifecycle & SAP Basis-nahe Themen
- Oft komplexes Zusammenspiel aus Cloud Infrastruktur, Managed Services und Eigenbetrieb
- Erhöhte Abstimmungsbedarfe mit Hyperscalern (z.B. Azure, AWS)
👉 Untiefe: Viele Unternehmen unterschätzen die technische Komplexität und die benötigten Rollen.
⚓ 2. Customizing & Erweiterbarkeit: Verlockende Freiheit – gefährliche Strömung
SAP Cloud ERP:
- Eingeschränktes Customizing
- Erweiterung nur über standardisierte In-App- oder Side-by-Side-Optionen
SAP Cloud ERP Private:
- Nahezu vollständiger Zugriff auf klassische Modifikationen und kundeneigene Z-Entwicklungen
- Nutzung bestehender ABAP-Entwicklungen möglich
👉 Untiefe: Die Freiheit verleitet dazu, Altlasten mitzunehmen statt zu harmonisieren.
⚓ 3. Betriebsmodell & Verantwortlichkeiten: Wer hält das Steuer?
SAP Cloud ERP:
- Vollständig durch SAP betrieben
- Klare Verantwortlichkeit für Systemverfügbarkeit, Patches, Security
SAP Cloud ERP Private:
- Gemischtes Modell: SAP betreibt die Plattform, Kunde verantwortet die Applikation, Berechtigungen, Monitoring, Transporte
👉 Untiefe: Unklare Schnittstellen zwischen SAP, Hyperscaler und Kunde führen schnell zu Verzögerungen.
⚓ 4. Release- & Transportmanagement: Zwischen Sturm und Flaute
SAP Cloud ERP:
- Feste Releasezyklen (2x jährlich)
- Automatische Updates – zwingende Regressionstests erforderlich
SAP Cloud ERP Private:
- Kunde bestimmt Releasewechsel selbst
- Nutzung klassischer Transportlandschaften möglich (DEV/QAS/PRD)
👉 Untiefe: Ohne definiertes Change- und Transportwesen droht Chaos.
⚓ 5. Berechtigungen: Die unterschätzte Strömung
SAP Cloud ERP:
- Rollen auf Basis von Best Practices
- Kein Zugriff auf SU01 oder PFCG
SAP Cloud ERP Private:
- Volle Berechtigungssteuerung wie in On-Premise
- Höherer Pflege- und Schulungsaufwand
👉 Untiefe: Alte Berechtigungskonzepte werden oft übernommen statt modernisiert.
🧭 Fazit des Digitalisierungslotsen: Die Private Edition ist stark – aber kein Selbstläufer
Die SAP Cloud ERP Private ist ideal für Unternehmen mit komplexen Strukturen und individuellen Prozessen.
Aber sie entfaltet ihr Potenzial nur, wenn sie als Cloud-System gedacht und umgesetzt wird – und nicht als On-Premise-Fortsetzung.
Wer den Kurs nicht bewusst und modern setzt, riskiert unnötig raue See.